Brustsonographie versus Mammographie

Obwohl es sich herumgesprochen haben müsste, dass gute Vorsorge eine Lebensversicherung ist, sind vor allem ältere Frauen in Wartezimmern von Frauenärzten seltener zu sehen als jüngere. Leider geht von den über 60-Jährigen nicht einmal mehr jede zweite Frau in Deutschland zur Früherkennung. Und danach nimmt die Teilnahme an der Vorsorge mit dem Alter weiter rapide ab. Grundsätzlich aber gilt: das älter werden, das Alter ist der Risikofaktor Nummer 1 für das Entstehen von Krebs. Über Möglichkeiten und Grenzen der so genannten bildgebenden Verfahren möchte ich Sie im nachfolgenden Text gerne informieren.
Wichtige bildgebende Verfahren zur Früherkennung von Brustkrebs sind Mammasonographie, Mammographie und die Kernspinmammographie. Mit diesen Untersuchungsmethoden lassen sich Tumore von wenigen Millimetern Durchmesser entdecken, die sich tastenden Händen oft entziehen. Allerdings sind auch sie nicht unfehlbar und als Röntgenuntersuchung immer mit einer Strahlenbelastung verbunden. Daher lehnen viele Frauen die Mammographie ab. Doch auch die Mammographie hat in den zurückliegenden Jahren wesentliche technische Verbesserungen erfahren.
Bei der Mammographie wird die weibliche Brust in verschiedene Dichtegrade eingeteilt. Ab einem bestimmten Dichtegrad kommt die Mammographie, was ihre diagnostische Aussagekraft angeht, an ihre Grenzen. Die Brust ist strahlendicht. Man hat das Gefühl, als würde man durch Nebel schauen. Das ist der Grund, warum das Mammographiescreening erst mit 50 Jahren beginnt; dies unter der Vorstellung, dass die weibliche Brust ab diesem Lebensalter einen geringeren Dichtegrad aufweist. Die Mammographie ist nach wie vor aber die beste bildgebende Methode, mit der man auch Mikroverkalkungen nachweisen kann. Mikroverkalkungen können, müssen aber nicht, das Entstehen eines bösartigen Befundes anzeigen. Dadurch können Frühkarzinome aufgedeckt werden, also Tumoren, die noch nicht in die Umgebung eingewachsen sind. Meist fertigt der Radiologe zwei Aufnahmen an. Insgesamt beträgt dabei die mittlere Strahlendosis 0,5 Milli-Sievert. Zum Vergleich: Die Menge natürlicher Strahlung, der jeder Mensch auf der Erde ausgesetzt ist, beträgt pro Jahr etwa zwei Milli-Sievert.
Die Medizin entwickelt sich ständig weiter. Die digitale Mammographie, also Röntgen ohne Film, zählt dazu. Sie hat ihren Vorteil in der Nachverarbeitung, so dass die Anzahl der zu wiederholenden Aufnahmen deutlich reduziert wird. Dies hat zur Folge, dass die Strahlenbelastung um ca. 20% reduziert werden kann.

Bei Frauen unter 50 Jahren ist die Mammographie oft allein nicht ausreichend, da deren Brustgewebe sehr viel dichter ist, so dass man bei der Mammographie in diesen Fällen, wie oben beschrieben, keine optimalen Bedingungen für die Erkennung verdächtiger Herde hat. Hier ist die Diagnostik deutlich erschwert. Deswegen werden in der Regel Zusatzuntersuchungen wie etwa der Ultraschall (Sonographie) oder eine Kernspintomographie durchgeführt. Große Studien, alleine 3000 Patientinnen aus der Medizinischen Hochschule Hannover haben nachgewiesen, dass der Ultraschall der Mammographie überlegen ist. Die Sonographie stellt Gewebe- und Organstrukturen bildlich dar und benötigt dabei keine Strahlung, sondern Schallwellen. Sie gehört nicht standardmäßig zur kassenärztlichen Vorsorgeuntersuchung und wird vom Arzt nur angewandt, wenn sein Tastbefund Auffälligkeiten ergeben hat. Der Ultraschall selber ist in der Lage, Tumore bis zu 4 Jahre früher zu sehen, als dass diese klinisch auffällig werden. Die Ultraschalluntersuchung der Brust ist eine dynamische Untersuchung – eine Untersuchung aus der Bewegung heraus. Man schaut nach Strukturzerstörungen, Strukturunterbrechungen, nach Raumforderungen guter oder böser Natur. Anders als die Mammographie, die eine Standaufnahme darstellt, kann man sich bei der Ultraschalluntersuchung vermeintlich auffällige Strukturen von unterschiedlichen Seiten anschauen, aufdrehen und auflösen. Es besteht die Möglichkeit ein „Farbfenster“ über einen solchen Bereich zu legen und eine krankhafte Gefäßversorgung nachzuweisen oder aber auszuschließen. Mit anderen Worten: eine Diagnose wird erhärtet oder aber wieder verworfen.
Grundsätzlich gilt:
Entscheidend für das Überleben der Patientinnen mit Brustkrebs ist die Kontrolle über den Prozess der Mikrometastasierung, der Tochtergeschwülste.
Je früher ein Tumor diagnostiziert wird, umso wahrscheinlicher ist es, dass nicht von verlängerten Überlebenszeiten, sondern sogar von Heilung gesprochen werden kann.
Je früher ein Tumor diagnostiziert wird, umso weniger aggressiv und belastend ist die weitere tumorspezifische Therapie zu Gunsten der Lebensqualität.
Bildgebende Verfahren (Mammographie, Kernspinmammographie und Sonographie) können nur mit mehr oder weniger großer Sicherheit darauf hinweisen, ob Veränderungen gut- oder bösartig sind. Eine Diagnose kann man mit ihrer Hilfe allein deshalb nicht stellen. Sie liefern Verdachtsmomente. Die endgültige Diagnosesicherung muss immer eine Gewebeprobe (Biopsie) liefern. Dafür ist heute in aller Regel keine Operation mehr nötig, sondern es werden die minimal-invasiven Methoden, wie Vakuum- und Stanzbiopsien, eingesetzt. Vollnarkose und Operation können den Patientinnen somit erspart werden. Da für diesen Eingriff lediglich eine lokale Betäubung notwendig ist, erfolgt dieser ambulant. Dabei werden die Veränderungen unter röntgenologischer oder Ultraschall-Sichtkontrolle über den Computer aufgesucht und mehrere Gewebeproben entnommen.
Terminplan der Brustkrebs-Vorsorge
Ab dem 30. Lebensjahr beginnt die von den gesetzlichen Krankenkassen anerkannte jährliche Brustkrebsfrüherkennungs-Untersuchung bei einem Frauenarzt / Frauenärztin. Neben einem Zellabstrich zur Vorsorge von Gebärmutterhalskrebs führt der Arzt eine gründliche Tastuntersuchung der Brüste und Achselhöhlen auf eventuelle Veränderungen durch. Wichtig zu wissen ist, dass, egal wie groß diese sein mögen, 60% dieser Tumore nicht tastbar sind! Zudem ist es ratsam, dass Frauen einmal pro Monat / pro Zyklus eine Selbstkontrolle von Brust und Achselhöhlen im optimalen Zeitfenster des 7. bis 10. Zyklustags vornehmen um Veränderungen fest zu stellen.
Alle(!) Leistungen, die zu Lasten der Solidargemeinschaft der Krankenversicherten abgerechnet werden, bedürfen einer sogenannten rechtfertigenden Indikation; einem krankhaften Tastbefund. Das Suchen, Ausschließen und Screenen überlassen die Krankenkassen unseren Patientinnen in Eigenverantwortung!
Frauen, die eine radiologische Praxis auf dem neuesten technischen Stand suchen, können sich im Internet unter www.qrr.de beim Qualitäts-Ring-Radiologie (QRR) informieren. Die Mitglieder verpflichten sich, ihre Röntgengeräte jährlich nach den EU-Richtlinien kontrollieren zu lassen. Alle Aufnahmen werden außerdem standardmäßig von einem zweiten Arzt begutachtet (Doppelbefundung). Die Kosten für eine Mammographie vor dem 50. Lebensjahr – jeweils in Höhe von ca. 70,- Euro – müssen gesetzlich Versicherte allerdings selbst tragen, wenn kein Verdacht auf Brustkrebs vorliegt. Eine Ausnahme stellen Brustkrebsfälle in der nächsten Verwandtschaft / ersten Grades dar. Im Rahmen des Krebsfrüherkennungsprogramms für Frauen ab 50 bis 75 Jahren ist eine Kostenübernahme im Sinne eines Mammographiescreenings eingeführt. Die Frauen in dieser Altersklasse werden derzeit zentral vom Gesundheitsamt Bremen angeschrieben und zu einem Termin „vorgeladen“.
Ihr Jörg Christian Nast
